Neospora caninum
Die Infektionskrankheit Neosporose wird durch den Einzeller „Neospora caninum“ bei Haus- und Wildtieren hervorgerufen. Am häufigsten tritt sie bei Haushunden auf und kann bei diesen eine neurologische Erkrankung auslösen, die sich vor allem als Hirnstamm-Syndrom äussert.
Das zu den Protozoen gehörende „Neosporosa caninum“ ist weltweit verbreitet und ähnelt in seinen morphologischen Formen und dem Vermehrungszyklus „Toxoplasma gondii“, dem Erreger der Toxoplasmose.
Morphologisch zu unterscheiden sind die beiden Erreger nur durch elektronenmikroskopische Untersuchungen. Der Hauptwirt für Neospora ist jedoch der Hund.
Innerhalb von drei Tagen, durch den Kot ausgeschiedene Oozyten, bilden diese Sporen in der Außenwelt und werden dadurch infektiös. Zwischenwirte nehmen über ihre Nahrung und Wasser die Oozyten auf, was bei ihnen die Folge hat, dass sich etwa 0,1 mm grosse Gewebszysten im Nervengewebe und seltener auch im Muskelgewebe bilden.
Aus diesen Gewebezysten entwickeln sich Tachyzoiten und Bradyzoiten.
Haushunde infizieren sich über die Aufnahme von rohen Tierprodukten (Fleisch, Gehirn, Schlachtabfälle), bei Zuchthündinnen können Welpen schon über die Mutter infiziert werden. Über die Verdauung werden die Zysten im Darm freigesetzt und beginnen sich zu vermehren.
Im Rückenmark, Pankreas, Gehirn, in der Skelettmuskulatur, Haut, Leber und in den Lungen kommen Tachyzoiten vor, wohingegen sich Zysten, die lediglich aus Bradyzoiten entstehen, nur im Nervengewebe entwickeln.
Innerhalb Europas gibt es eine breite Infektionsrate bei Hunden, allerdings ruft die Infektion nicht immer eine Erkrankung hervor, sondern verläuft meist unerkannt, ohne klinische Erscheinungen.
Aus diesem Grund ist es äusserst wichtig Hündinnen vor dem Zuchteinsatz auf Neospora zu testen. Dies kann durch einen Bluttest erfolgen! Hündinnen, die einen deutlich erhöhten Titer haben, sollten aus der Zucht genommen werden.
Rüden können zwar daran erkranken, aber nicht über den Deckakt die Infektion weiter geben!
Eine ernsthafte Erkrankung manifestiert sich vor allem als Meningoenzephalitis des Stammhirns mit Ausbildung eines Hirnstamm-Syndroms (protozoäre Meningoencephalitis). Hierbei treten Lähmungen der hinteren Hirnnerven (vor allem Fazialislähmung), Ausfälle des oberen Motoneurons (Tremor, Ataxie, Parese) und Kopfschiefhaltungen (Torticollis) auf. Auffälligkeit ist bei diese Hunden Nervosität, Ängstlichkeit und Schreckhaftigkeit.
Weitere Krankheitsbilder durch Neosporosa caninum beim Hund sind Polyneuritis, Polymyositis, Leberentzündungen (Hepatitis), Lungenentzündungen (Pneumonie) und geschwürige Dermatitiden.
Weiterer informativer Link: Schweizer Vereinigung für Kleintiermedizin
